Wallstein Verlag

»Prodigies, anomalies, monsters«


Charles Brockden Brown und die Grenzen der Erkenntnis

Reihe: Internationalität nationaler Literaturen. Serie C: Inter-American Literary Studies; Bd. 4


Schlafwandel, Bauchrednerei und spontane menschliche Selbstentzündung - dies sind die Phänomene, die uns in den Werken Charles Brockden Browns (1771-1810), des ersten großen Romanciers der Vereinigten Staaten, begegnen.


Kein Wunder also, daß sich Sensationsschriftsteller wie George Lippard auf Brown beriefen. Doch auch Keats, Shelley und Scott zeigten sich beeindruckt von den Schauerromanen des Amerikaners, die neben einigen seiner Essays und Kurzgeschichten im vorliegenden Band vor allem auf ihre erkenntniskrititischen Positionen hin untersucht werden. Somit fällt das Augenmerk zunächst auf David Humes Kausationslehre, welche in zahlreichen Texten Browns ihre fiktionale Umsetzung erfährt. Hierbei ist es insbesondere die epochale, von dem schottischen Philosophen herausgestellte Nicht-Analytizität von Kausalaussagen, die den Charakteren der sich der menschlichen Erkenntnisleistung entziehenden fiktionalen Welten Browns immer wieder zum Verhängnis wird. Werke wie »Wieland; or The Transformation« (1798) oder »Edgar Huntly; or Memoirs of a Sleep-Walker« (1799) erscheinen in einem neuen Licht. Weit davon entfernt, allein das Unterhaltungsbedürfnis ihrer Leserschaft zu befriedigen, präsentieren sie sich vielmehr als kritische Bestandsaufnahmen des postrevolutionären Aufklärungsoptimismus und stecken demnach in recht offenkundiger Weise eben jenes Feld ab, welches in der amerikanischen Literatur ein halbes Jahrhundert später Autoren wie Melville und Hawthorne zu ihrer Domäne wählen werden.
Jörn Glasenapp

Jörn Glasenapp, geboren 1970, studierte Anglistik und Germanistik in Hannover und Göttingen. Von 1997 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Sonderforschungsbereich 529 »Internationalität nationaler Literaturen«. Seit 2010 ist er ...

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